newsletter 2/2005

Liebe metalogikon - Interessierte!

Ein sommerliches "Herzlich Willkommen" Diesmal möchte ich Sie gerne einladen unseren Open Speaking Space zu nutzen. Eine der Kernkompetenzen des metalogikon ist das zur Verfügung stellen von Raum und Zeit, damit Menschen miteinander in Dialog treten können. In ein Gespräch, wo man sich gegenseitig inspiriert und dadurch zu neuen Einsichten und Erkenntnissen gelangt, lernt und gemeinsam Zukunft erfindet. Der Open Speaking Space ist der Raum in unserem Newsletter, der dafür und für Sie reserviert ist.
Wir wünschen Ihnen einen erholsamen und inspirierenden Sommer und freuen uns auf Ihre Beiträge zur "Aufgabe Zukunft".
 
Mit metalogischen Grüßen,
Dagmar Hlebic
Newsletter Redakteurin
 
In dieser Ausgabe lesen Sie:
  • Zukunft - eine Fähigkeit?
  • Stellen Sie sich vor...
  • Wie erstärken wir Zukunftsfähigkeit in Organisationen?
  • Veranstaltungen, Projekte, Interessantes...
  • Inspirierendes

Zukunft - eine Fähigkeit?

Wie kann ich die Zukunftsfähigkeit einer Organisation fassen? Der Begriff der Fähigkeit beinhaltet zwei unterschiedliche Aspekte, nämlich den Aspekt des Könnens und den Aspekt des kompetenten Handelns.
Peter Senge spricht von der "kontinuierlichen Steigerung der Fähigkeit, als Organisation die eigene Zukunft hervorzubringen" und von der Fähigkeit zu "grundlegenden Innovationen und Veränderungen". Er nennt folgende Aktivitäten, die zum Hervorbringen grundlegender Innovationen und Veränderungen beitragen:
  • Erkennen der Muster, welche Ereignisse steuern
  • Halten einer kreativen Spannung
  • Gemeinsames Erforschen der eigenen mentalen Modelle
  • Entwickeln einer gemeinsamen Vorstellung der gewollten Zukunft
  • Gewinnen von neuen Erkenntnissen
  • Ausprobieren, Experimentieren
Wir im metalogikon fragen uns:
  • Wer setzt in der Organisation die notwendigen Impulse für die oben genannten Aktivitäten?
  • Werden diese Impulse aufgegriffen?
  • Unterstützen die üblichen Meetings, Besprechungen oder Klausuren durch ihren Rahmen und ihre Gesprächskultur die Fähigkeit die eigene Zukunft hervorzubringen?
Viele unterschiedliche Antworten haben wir aus unserem Erfahrungsschatz parat. Aber immer trifft zu, dass auch in Zeiten von niedriger "Halbwertszeit" nutzenstiftender Veränderungen es höchst notwendig und sinnstiftend ist, Räume und Gesprächsstrukturen zu schaffen, in denen von möglichst vielen über das Tagesgeschäft hinausgedacht werden kann; in denen inspirierende Gespräche, gemeinsames Erforschen "der Realität", wertschätzender Umgang miteinander, kreative Feedbacks und ein interessiertes Erkunden der bestehenden Zukunftsbilder möglich werden. Das kompetente Handeln als Projektteam, als Strategieteam, als Organisationseinheit wird immens erhöht, wenn die oft trendigen und doch ständig verwendeten Worthülsen mit gemeinsamem Sinn und einem grundlegenden sowie impliziten Einverständnis über mögliche Bedeutungen, Stärken und Schwächen sowie handlungsrelevanten Implikationen gefüllt werden. Es kann ein gemeinsamer Zustand von Fülle entstehen - Fülle der Ideen, Fülle der Einsichten, Fülle der Varianten, Fülle des gegenseitigen Verstehens, Fülle der Möglichkeiten - welcher einen reichen und blühenden Ausgangspunkt für Ausprobieren und Erfinden von Zukunft darstellt.
Hanna Mandl

Stellen Sie sich vor...

Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen beginnt sich selbst zum Thema des Lernens zu machen. Es stellt sich die Fragen: Wie lernen wir als Organisation? Wie entsteht bei uns Wissen? Ein halbes Dutzend MitarbeiterInnen begibt sich darauf hin auf die Suche nach geeigneten Formen wie diese Fragen im Unternehmens bearbeitbar gemacht werden können. Sie tun das nicht alleine, denn sie treffen dabei auf zwei weitere Unternehmen, die sich ebenfalls auf diesem Weg befinden. Auch dort sind Teams auf der Suche nach geeigneten Kommunikationsarchitekturen um Lernen als Organisation zu ermöglichen.
Stellen Sie sich nun vor, dass diese Teams der drei Unternehmen beginnen sich selbst als temporäre Lernende Organisation zu verstehen. Begleitet durch das metalogikon entwickeln sie modellhaft an sich selbst jene Lernformen, die sie darauf hin in Ihren Unternehmen einsetzen. Aus den Erfahrungen, Erfolgen und Krisen wird in der gemeinsamen temporären Lernenden Organisation aller drei Unternehmen weiter gelernt. Inspiriert von den Ähnlichkeiten und Unterschieden im Erleben, Denken und Handeln entstehen Innovationen: neue, bisher nicht denkbare Vorgehensweisen werden entwickelt und in den Unternehmen realisiert.

Stellen Sie sich weiter vor, dass im jeweiligen Unternehmen nach und nach deutlich wird, die Auseinandersetzung wie es lernt führt zur Frage ob und wie es in der Lage ist, die eigene Zukunft hervorzubringen. Nach und nach werden darauf hin Bilder jener Zukunft herausgearbeitet, die dem eigenen Wollen der Unternehmen entsprechen. Die Kraft zur Innovation und zum Hervorbringen der eigenen Zukunft entsteht. Und: von nun an verfügen diese Unternehmen über je ein Team, dass in der Lage ist für diese Lernprozesse auch in Zukunft in Gang zu setzen und zu begleiten. Stellen Sie sich schließlich vor, dass diese Bilder keine bloße Vorstellung sind sondern Realität: das Lernprojekt Lernende und wissensgenerierende Organisation.
Josef M. Weber
 

Wie verstärken wir Zukunftsfähigkeit in Organisationen?

Mit dieser übergeordneten Frage ist das erste Café metalogikon professionel im Raum Bodensee gestartet, das für einen überorganisationalen Lernprozess steht. 5 teilnehmende Organisationen haben eine kleine Gruppe von je 3 Mitgliedern entsandt. In monatlichen Abständen haben wir uns bei einer der teilnehmenden Organisationen zum Café metalogikon getroffen und uns in den Dienst jener Frage gestellt, zu der die jeweilige Organisation eingeladen hat. Erkundet wurden Fragen, welche die einladende Organisation im Zusammenhang mit Zukunftsfähigkeit ganz besonders beschäftigt. Dazu gehörten Fragen wie zum Beispiel "Wie können wir in unsicheren Zeiten unsere Mitarbeitenden im Selbstwertgefühl stärken?" oder "Wie finden und präzisieren wir das Einzigartige unseres Bildungshauses?". Geblieben sind nicht nur die Ergebnisse auf den Tischtüchern, die Stimmungen der Café Runden haben emotionale Spuren in den Organisationen hinterlassen. Manchmal empfand eine Organisation sogar die Frage anderer Organisationen interessanter als die eigene, zu der sie selbst eingeladen hatte. Die erhaltenen Außensichten und gleichzeitig die neuen Vernetzungsmöglichkeiten empfanden alle teilnehmenden Organisationen als sehr wertvoll.
Die sich über alle Organisationen kristallisierenden wesentlichen Fähigkeiten, die in Zukunft verstärkt Aufmerksamkeit brauchen, sind für eine große Baufirma genauso relevant wie für ein Kinderdorf geworden:
  • Stärkung des Selbstwertgefühls von Mitarbeitenden
  • Kooperation mit Partnern für die Übernahme gemeinsamer gesellschaftlicher Verantwortung
  • Balancekompetenz von Kooperation und Eigenständigkeit
  • Vorhaben für nachhaltige Verhaltensänderungen entwickeln
  • Das eigene Einzigartige präzisieren
In unserer aktuellen wirtschaftlichen Situation, in der sich viele Organisationen in einem reaktionsgetriebenen Zustand befinden, ist die Fähigkeit, das eigene Einzigartige zu präzisieren, eine philosophisch inspirierende und für die Organisation kraftgebende Fragestellung. Es macht einen Unterschied, ob eine Organisation nach ihrem wahren Einzigartigen von innen her sucht oder ob sie den Fokus mehrheitlich auf eine geschickte strategische Positionierung im Markt draußen richtet. Gemeinsame Erkundungen zur Frage "Was ist unser Wesen?" ist für Mitarbeitende sinnstiftender als zum Beispiel ins Training für professionelle Telefonakquisition zu gehen, um mehr Umsatz zu generieren. Wenn eine Organisation keine Angst hat, Themen zu benennen, die sie bei den Menschen sieht, dann kann sie seelisch-geistig wachsen, anstatt nur körperlich zuzunehmen. In einem integrierten Zustand von Körper, Geist und Seele ist wahre Offenheit für eine Organisation möglich. Offenheit für Themen, die in der Zukunft für die Menschen wichtig werden. Damit steht eine Organisation mit ganz anderer Kraft im Markt. Sie agiert aus einem geläuterten Zustand innerer Stärke!
Manuela Aeberhard

Veranstaltungen, Projekte, Interessantes

"Verblüffende Vielfalt - Führungskräfte beraten Führungskräfte" hat in Wien gestartet - Einstieg ist möglich.

Eine Gruppe von Führungskräften aus Profit- und Non- Profitunternehmen hat begonnen an ihren konkreten Fragestellungen aus der täglichen Praxis und aus der Zukunft zu arbeiten. Wie gelingt es unterschiedliche Kulturen in Teams zu integrieren? Wie bewältige ich die Komplexität, die meinen Arbeitsalltag begleitet? sind nur einige der Fragen, die beschäftigen. Inspirierendes Miteinander arbeiten und voneinander lernen - unterstützt und begleitet von einem Team von LernbegleiterInnen. Ein nächster Einstieg ist im Oktober 2005 möglich.
 

Tage der Utopie- Entwürfe für eine gute Zukunft

Vom 18. bis 24. April 2005 fanden in St. Arbogast zum zweiten Mal die Tage der Utopie, Entwürfe für eine gute Zukunft, statt. Utopien scheinen wieder attraktiv zu werden: 1100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen meldeten sich an; die Veranstaltung wurde live als Konferenzschaltung nach Kirchbach in der Steiermark übertragen, wo die Vision des Globalen Dorfes in Ansätzen verwirklicht wurde; bemerkenswert war auch die Integration von Musikern und Musikerinnen wie der Klarinettistin Carol Robinson ("Inspiration beruht auf Vertrauen"), des Bassisten Marion Pavone ("Inspiration lässt mich weitergehen") oder des Pianisten Peter Madsen ("Inspiration lebt im Moment") und: die optimistische, leichte, beschwingte Stimmung während der Veranstaltung.
Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr unterstützt den Realismus von Visionen aus naturwissenschaftlicher Perspektive: "Die Wirklichkeit ist im Grunde Potentialität, sie hat zwar eine Tendenz, die Welt wird aber in jedem Augenblick neu erschaffen". Man könnte auch sagen, nicht die Realität, sondern die Grenzen unseres Denkens in Möglichkeiten sind die Grenzen unserer Lösungen. Neben Dürr schreiben weitere 5 Autoren und Autorinnen über Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise, über die post-fossile Welt, über das System der Produktion in kleinen Werkstätten, über Open Source und über die Ökonomie der Nähe. Die Kuratoren und Herausgeber Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger haben Texte und Redeauszüge der SymposionsreferentInnen in einem schönen kleinen Buch mit dem Tagunsgstitel zusammengefasst. Das Buch ist im Hämmerle Verlag Hohenems erschienen (ISBN: 3-902249-81-1).
 

Werden die Konzerne die Welt retten/zerstören? - Die Zukunft der Wirtschaftsmaschine und ihre überraschenden Helden

Ein interessanter Artikel in der deutschen Ausgabe der Zeitschrift "what ist enlightenment": Innovative organisatorische Neuerer - und ihre Kollegen in den Unternehmen - packen eines der kompliziertesten Probleme an. mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht: die dringend notwendige Transformation großer Unternehmen von einer profitgetriebenen Maschine zu einem lebendigen System, das für die Zukunft des Planeten arbeitet.
 
Inspirierendes
Caminante, no hay camino, se hace camino al andar.
Antonio Machado, 1917
(Wanderer, es gibt keinen Weg, Weg entsteht im Gehen.)