Konferenz Reflexionen
Reflexionen von Georg Senoner

8. Metalog-Konferenz

Auf–bruch: Führen - Im Spannungsfeld zwischen Eigentümern, Kunden, Mitarbeitern und Gesellschaft


Was können wir uns Neues erwarten, was zum Thema Führen nicht schon gesagt und geschrieben wurde, wenn wir uns vom 16. Bis 18. September 2009 mit über 50 UnternehmerInnen und BeraterInnen in intensiven Gesprächen damit befassen?

Neu ist wohl die Herausforderung, welche die Wirtschaftskrise an uns alle stellt. Oder vielleicht doch nicht?

Konrad Paul Liessmann schreibt im Standard 19.06.2009: Erst  im Rückblick werden wir erkennen ob überhaupt und in welcher Krise wir uns am Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts befunden haben

In Gesprächen mit Unternehmern und Managern treffen wir häufig auf die Vorstellung, dass die Krise in 6-12 Monaten mehr oder weniger überwunden sein wird. Viel seltener hören wir die Voraussage, dass sich Grundsätzliches ändern wird.

Wie es dazu kommt, beschreibt Karl Weick sehr plausibel in seinem Artikel Leadership When Events Don't Play By the Rules: The first impulse is to grasp for some explanation, any old explanation. And what we get hold of are the automatic explanations we have lived with longest and invoked most often. … people often go through at least three stages when they deal with the inexplicable: superficial simplicity, confused complexity and profound simplicity.

Profound simplicity – eine tiefere Einsicht - kann aber erst dann entstehen, wenn wir uns der verwirrenden Komplexität stellen. Und das heißt zunächst einmal: inne halten. Otto Scharmer spricht von Führen vor der leeren Leinwand. Dies ist fast schon eine Zumutung für Unternehmer und Manager, die gewohnt sind rasch zu entscheiden und zu handeln.

Die verschiedenen Kommunikationstechniken, die in der Metalog-Konferenz sinnvoll verknüpft werden, bieten aber einen Rahmen, wo dies gelingen kann. Wir suchen nicht nach allgemein gültigen Lösungen, vielmehr wird in der intensiven offenen Begegnung engagierter Menschen jeder die Gelegenheit finden, zu den Fragen, die ihn bewegen, den Weg durch confused complexity zu profound simplicity zu finden. Ganz konkrete Probleme treffen auf ganz konkrete Erfahrungen und aus dieser Begegnung, kann Neues entstehen.

Die metalogkonferenz ist aber auch Anlass neue Modelle und Konzepte, mit denen die TeilnehmerInnen in Berührung  gekommen sind, mit einander zu verknüpfen und auf die Alltagssituationen zu übertragen.

Einen interessanten Ansatz finden wir z.B. bei Mitch McCrimmon The Changing Meaning of Leadership: Leadership in the 21st century is no longer a fixed role. In a fluid, dynamic environment where innovation rules, leadership is only an occasional act that can come from any direction including outside the group. Showing leadership means convincing others to change direction. It is time to separate leadership and management. We need to upgrade management to take its rightful place as a constructive force for getting the best out of people and managing all resources along the lines of investment, that is to get the best possible return.

Diese Sichtweise könnte viele Manager und Unternehmer vor der Überforderung entlasten, alleine den richtigen Weg weisen zu müssen.Dazu brauchen wir allerdings neue Formen der Organisation. Ansätze gibt es mehrere, welche werden sich wohl bewähren?

Ein Beispiel, das u.a. in Holland verwirklicht wurde, nennt sich Soziokratie: Nicht Position und Titel entscheiden, sondern Argumente. Jeder ist Teilhaber, so wird das Wissen der Mitarbeiter für die Firma erschlossen. Vom Patriarchat zur Tafelrunde führt der Weg den Herbert Salzmann aufgezeigt hat. Er meint: Auch deshalb ist das Gespräch in der Gruppe das bessere Vernunftorgan als die Vernunft des Einzelnen, weil wir uns in der Gruppe korrigieren und gegenseitig vernünftig machen können.

Einige, wie Otto Scharmer in seinem Blog, sieht die Aufgabe des Führens allerdings in einer noch weit umfassenderen Perspektive: I always knew that all these projects are situated in a larger systems context that one day needed to be addressed head on. I have often referred to this larger systems context in terms of transforming capitalism.

Mit diesen “Kostproben” möchten wir Ihren Appetit wecken und hoffen, diese Themen mit Ihnen bei der Metalog-Konferenz in fruchtbaren Gesprächen vertiefen zu können.
 

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Literaturhinweise:
  • Konrad Paul Liessmann: Die Krise in der Krise, oder : Wie krank ist das System? Der Standard 19. Juni 2009
  • Karl Weick: Leadership When Events Don’t Play By the Rules – Michigan Ross School of Business – http://www.bus.umich.edu/
  • Otto Scharmer: Führen vor der leeren Leinwand – Zeitschrift für Organisationsenwicklung – Nr. 2/2008
  • Otto Scharmer: Transformation of Capitalism – http://www.blog.ottoscharmer.com/
  • Gerhard Waldherr: Die ideale Welt – Brandeins Nr. 1/2009
  • Mitch McCrimmon : The Changing Meaning of Leadership – http://www.businessmanagement.suite101.com/
  • Herbert Salzmann – Vom Patriarchat zur Tafelrunde – http://www.tagederutopie.org/
Lesematerial: